Spiegel: Spaltung von Arm und Reich am Gebiss ablesbar
11. Nov.
Immer mehr Kinder aus sozial schwachen Familien leiden an Zahnfäule. Und das, obwohl die Quote von kariösen Zähnen pro Kind immer weiter gesunken sei, berichtet der „Spiegel“.
Die Zahnfäuleverteilung sei ein Indikator für die Spaltung der Gesellschaft. 60 Prozent aller Schäden konzentrierten sich laut einer Studie der Zahnärztekammer auf nur noch zehn Prozent der Kinder. Christian Richter vom Zahnärztlichen Dienst Neukölln in Berlin sehe bei seinen Besuchen in Schulklassen immer öfter Kinder mit tadellosem Gebiss, schreibt das Magazin.
Doch gleichzeitig begegneten ihm auch immer öfter Kinder, für deren Gebisse jede Hilfe zu spät komme. Schwarze Stumpen und Kieferschäden, wo nur noch gezogen werden kann. Diese Erfahrung machten Zahnärzte überall in der Republik, berichtet das Magazin weiter. Fast immer handle es sich um Kinder aus der Unterschicht. Die KZBV melde, eine deutliche Kariespolarisation. Viele Kinder hätten wenig Karies, wenige hingegen viel Karies. Bei dem abgehängten Prekariat der Zahnversorgung handle es sich um ein gesellschaftliches Problem.
Auch das Robert Koch Institut komme zu dem Schluss, sozial benachteiligte Schichten trügen ein höheres Kariesrisiko als die Durchschnittsbevölkerung. Es habe sich eine Zweiklassengesellschaft der Zahnversorgung herausgebildet, schreibt der „Spiegel“. Auch den höheren Ausgaben der Kassen für Prävention zum Trotz. Laut Statistik der Zahnärztekammer hatten zwölfjährige Kinder 1989 noch im Schnitt 3,9 kariöse Zähne im Mund. Bis 1997 sie dieser Wert auf 1,7 gesunken, bis 2006 sogar auf 0,7. Dies sei ein international stolzes Resultat.
Demgegenüber habe jedoch die Schieflage bei der Verteilung zugenommen. Seien 1997 noch gut 60 Prozent aller kariösen Zähne bei 20 Prozent der Kinder aufgetreten, hatten 2005 nur noch zehn Prozent der Kinder diesen Anteil der Schäden. „Ein Viertel der Eltern geht mit den Kindern einfach nicht zum Zahnarzt“, klagt Schulzahnarzt Richter. „Da können wir nichts machen.
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