Zahnimplantate als Medikamentenspender
03. Apr.
(BSMO) Dass jemand vergisst, sein Medikament einzunehmen oder in einer falschen Dosierung verwendet, könnte in Zukunft der Vergangenheit angehören, sagen die Forscher eines EU-Konsortiums. Sie entwickeln eine Zahnprothese, die automatisch, kontinuierlich und genau nach Bedarf Arzneimittel freisetzen kann und somit lästige permanente Medikamenteneinnahmen per Hand überflüssig macht.
“Intellidrug” – so heißt die neue Zahnprothese – beinhaltet ein spezielles Reservoir, in dem das Arzneimittel in Tablettenform bereitgehalten wird. Das “Gerät” ist klein genug, dass es in zwei künstliche Backenzähne passt. Es ist gut zugänglich und damit auch gut nachfüllbar. Nach Angaben der Forscher könnte die Neuentwicklung besonders Patienten zugutekommen, die an chronischen Krankheiten wie Diabetes oder Bluthochdruck leiden und deshalb auch nächtliche Medikamentendosen benötigen.
“Bei bestimmten Krankheiten ist es notwendig, dass ein konstanter Medikamentenspiegel im Blut aufrechterhalten wird”, sagte Dr. Thomas Velten vom Fraunhofer Institut für Biomedizinische Technik (IBMT) in Deutschland, eine der 15 europäischen Forschungseinrichtungen, die am Projekt beteiligt sind. “Mit diesem System können wir die Freisetzung der Dosis, die eingenommen werden muss, zeitlich gut steuern – gerade auch nachts, wenn der Patient schläft.”
Die Medikamentendosis könne zudem leicht den individuellen Bedürfnissen des Patienten angepasst werden, je nach spezifischem Krankheitsbild, Alter und Geschlecht. Wie funktioniert die Abgabe des Medikaments? Speichel aus dem Mundraum gelangt über eine Membran in das Reservoir und löst dort Teile des sich in fester Form befindlichen Wirkstoffs auf. Über ein elektronisch gesteuertes Ventil wird zu bestimmten Zeiten und in genau definierter Menge gelöster Wirkstoff in den Mundraum freisetzt und dann vom Körper aufgenommen.
Das Reservoir ist dazu mit zwei Sensoren ausgestattet. Der erste, der “Füll-Niveau-Sensor”, misst die Konzentration des Medikaments im Reservoir und warnt den Patienten, wenn die Konzentration des Medikaments unter ein bestimmtes Level fällt und er nachfüllen muss. Der zweite Sensor zeigt an, wie viel Lösung abgegeben wurde. Eine Fernbedienung erlaubt dem Arzt, die Medikamentendosis gegebenenfalls neu anzupassen. Ein gefülltes Reservoir kann den Medikamentenbedarf des Patienten bis zu einigen Wochen decken. Mit Hilfe des neuen Zahnimplantats könnte Geld eingespart werden, denn immer noch entstehen hohe Folgekosten für das Gesundheitswesen aufgrund inkorrekten Medikamentengebrauchs.
Sollten weitere Tests beim Menschen erfolgreich verlaufen, könnte der in den menschlichen Kiefer integrierbare Medikamentenspender bereits 2010 auf den Markt kommen.
Quelle: Nach Informationen von BBC News und der Fraunhofer Gesellschaft



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