Das Tastgefühl bei Implantaten

13. Sep.

(BSMO) Deutsche Forscher haben die taktile Sensibilität zwischen Einzelzahnimplantaten und gegenüberlegenden natürlichen Zähnen mit der Perzeption okkludierender Zahnpaare verglichen. Die Ergebnisse waren nahezu identisch. Die Implantatversorgung bei Zahnverlust, als Möglichkeit der Wiederherstellung der Kaufunktionen, kommt einer “restitutio ad integrum” schon sehr nahe.

Die Frage jedoch, ob ein Implantat innerhalb des Stomatognaten Systems ähnliche taktile Eigenschaften besitzt, und osseoperzeptive Schutzmechanismen erfüllt wie ein natürlicher Zahn, wie etwa bei Aufbiss auf einen Fremdkörper, ist wissenschaftlich noch weitgehend ungeklärt. Eine Studie der Universität Bonn verglich die taktile Sensibilität zwischen Einzelzahnimplantaten und gegenüberliegenden natürlichen Zähnen mit der Perzeption okkludierender Zahnpaare. Es wurden 62 Probanden mit 22 Einzelzahnimplantaten im anterioren und 40 im posterioren Mundbereich untersucht. Es handelte sich um 14 ITI Bonefit ® Implantate (Straumann GmbH, Freiburg, Germany) mit sandgestrahlten und säuregeätzen (SLA) Oberflächen, 32 mit TPS-Oberflächen und 16 MK II Branemark-Implantate (Nobel Biocare AB, Göteborg, Schweden) mit maschinierter Topographie. Die Testpersonen wurden gebeten, in aufrechter Haltung bei geschlossenen Augen auf schmale Kupferfolienstrips von 3 mm Größe und unterschiedlicher Stärke (5-200 µm) zu beißen. Es folgten 320 randomisierte Untersuchungsabläufe, unter anderem mit 40 Placebofolien, währenddessen die Testpersonen danach befragt wurden, ob sie die Kupferfolie als Fremdkörper zwischen ihren Zähnen identifizieren konnten, oder nicht. Die taktile Sensibilität wurde definiert als 50%-Schwellenwert von korrekten Ja/Nein-Antworten anhand der Weibull-Verteilung. Berücksichtigt hat man bei der Untersuchung weiterhin die Position, Geometrie, Oberflächenbeschaffenheit und Funktionsperiode der Implantate. Die Ergebnisse der interokklusalen Perzeption differidifferierten deutlicher in der Probandengruppe, als zwischen Implantaten und natürlichen Zähnen innerhalb des gleichen Individuums [Implantat/natürlicher Zahn: 16,7+/-11,3 µm (0,6-53,1 µm); natürlicher Zahn/natürlicher Zahn: 14,3+/-10,6 µm (0,5-68,2 µm)]. Die intraindividuellen Unterschiede ergaben einen Durchschnittswert von 2,4+/- 9,4 µm. Die statistische Berechnung zeigte, dass die aktive taktile Sensibilität von Einzelzahnimplantaten, sowohl im anterioren als auch posterioren Bereich, in Kombination mit natürlichen okkludierenden Zähnen, ähnlich derer zwischen natürlichen Zahnpaaren ist (Doppel t-Test, Equivalenzgrenze +/- 8 µm, p<0,001). Demzufolge gilt die Eingliederung von Implantaten innerhalb des Stomatognaten Systems unter taktilen Gesichtspunkten als unproblematisch, so die Autoren.

Quelle: N. Enkling et al.: Tactile sensibility of single-tooth implants and natural teeth. Clin. Oral Impl. Res. 2007; 18: 231-236

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